Skizze

Ich bin seit vielen Jahren Dienstleister für medizinische Softwarehäuser und KIS-Hersteller und bekomme immer wieder Anfragen von Kliniken und klinischen Rechenzentren, ob ich nicht auch „katalogneutrale Abrechnungsziffern“ anböte. Ich muß dann jedes Mal sagen, dass ich da nicht weiterhelfen kann.

Aber weil mir dieses Thema im Lauf der Zeit immer wieder auf den Tisch kommt, habe ich mal nachgeforscht und rumgefragt und habe festgestellt, dass es zwar immer mal wieder Ansätze gab und gibt, dieses Feld zu bearbeiten, aber sich bisher keine durchschlagenden Lösungen ergeben haben. Einerseits, weil hier Akteure am Werk sind, denen eine kommerzielle Vermarktung der Kataloge wichtiger ist, als praktische Lösungen, andrerseits, weil wenn die Initiative von KIS-Herstellern ausging, sie vom Mitbewerb geblockt wurden und zum dritten, weil sich allzu oft Arbeitsgruppen zur Erstellung von Hauslösungen in „Altkonflikten“ verheddern und so frustriert scheitern (Insellösungen finde ich darüber hinaus wenig zielführend).

Ich finde dieses Thema aber zu wichtig und möchte ein „kollaboratives Gemeinschaftsprojekt“ initiieren. Mir schwebt vor, dass sich diese Kataloge aus der Praxis heraus innerhalb einer anmeldepflichtigen, betreuten Internet-Community entwickeln, wobei die Formatvorgabe auch Aspekte der medizinischen Dokumentation und Vorgaben aus den Leitlinien umfassen sollte. Für alle, die in dieser Community mitarbeiten, sollten die Arbeitsergebnisse frei nutzbar sein.

Hier eine kurze Mindmap-Skizze, wie ich mir das vorstelle:

nl_mindmap

Als möglichst flexible und unabhängige Projekt-Plattform schwebt mir XML vor. Auch weil man sich damit nicht von Anfang an zum Sklaven von Datenbankstrukturen macht.


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2 Antworten to “Skizze”


  • von Ralf Pagel

    Guten Tag,

    mein Name ist Ralf Pagel. Ich bin verantwortlicher Produktmanager bei Agfa HealthCare für diesen Bereich. Ich hätte hier ein paar Fragen zum Verständnis:

    Was verbirgt sich hinter dem Involver, dem Qualitätsmanager und der semantischen Maschinen?

    Wo finde ich Verknüpfungen zu Mitarbeitergruppen und -funktionen (behandelnder Arzt, Gutachter, Radiologe etc.)?

    Wo finde ich Verknüpfungen zu Regeln (z.B. geschlechtsspezifische Leistungen)?

    Wie bilde ich Blockleistungen ab (mehrere neutrale Leistungen werden zusammengefasst zu einem Aggregat => z.B. großes Blutbild)?

    Sind im Leistungscluster nur externe Ziffern?

    Wieso steht nur Apotheke zur Verfügung? Sollte es nicht besser Material heißen? Apotheke, Zentrallager könnte dann auf die 2te Stufe wandern?

    Werden nur patientenbezogene Leistungen erfasst?

    Sprechen wir bei neutralen Leistungen von Zeipunkt- oder auch von Zeitraumleistungen?

    Was ist mit KTL-Codes? Hier steht der letzte Buchstabe für die Dauer. Ich würde aber nur eine Leistung definieren wollen und nicht eine pro Zeiteinheit.

    Wie erfolgt die Zuordnung von Leistungen zu erbringenden und anfordernden Kostenstellen?

    Sind Leistungen grundsätzlich fallbezogen? Falls ja, welchen Stellenwert besitzt die Kosten- und Leistungsrechnung in diesem Zusammenhang?

    um zu wissen, wie dieser Katalog aufgebaut werden soll, muss man sich auch die Frage stellen, wo die Erfassung erfolgt. Wenn OP eine Prozedur erfasst wird, muss diese dann eine neutrale Leistung erzeugen. Daraus wird dann in einem weiteren Schritt die EBM-Ziffer generiert. Hierbei müssen bestimmte Regeln greifen.

    Wie schaut es mit dem Ausland aus? Eine Eingrenzung ausschließlich auf den deutschen Markt wäre sicherlich kurzsichtig.

    So, das waren mal meine ersten Gedanken zu dem Thema. Ich hoffe, ich habe hier den Anstoß für eine spannende Diskussionsrunde geliefert.

    Mit freundlichem Gruß

    Ralf Pagel

  • von Christian Gutermann

    Hallo Herr Pagel,

    hu, da haben Sie ja gleich zu Beginn reichlich “Butter bei die Fische” gegeben.

    Ich will aber mal versuchen, die wolkigen Begrifflichkeiten etwas realer zu machen:

    1. Involver (ich fand’s nen schönen Begriff) meint genau das, was Sie im zweiten Absatz beschreiben, nämlich die Resourcenliste aller beteiligten Menschen und Abteilungen.

    2. Qualitätsmanager ist ein Begriff, der alle Aspekte der Qualitätssicherung umfassen soll (Leitlinien, Dokumentationsanforderungen, das Recallmanagement – also Nach- und Kontrolluntersuchungen)

    3. Die semantische Maschine könnte die Schnittstelle zu SemFinder sein. Aber hierzu kann Herr Straub sicher mehr beitragen.

    Die Regeln, die ja von den als Cluster aufgeführten Leistungen abhängen, sind natürlich bei den jeweiligen Leistungen angesiedelt. Einzelleistungen sind innerhalb eines Clusters natürlich auch aggregierbar – es kommt nur auf die Attributierung an.

    Patientenbezogene Daten spielen in meinen Augen bei diesem Modell(projekt) erst mal überhaupt keine Rolle.

    Eines der Hauptmotive für die Gründung dieser Projektgruppe war für mich die Erkenntnis, dass Mediziner und Verwaltung grundsätzlich von unterschiedlichen Betrachtungsebenen an das Klinikgeschehen herangehen. Ein Mediziner denkt anfangs nicht in Abrechnungskategorien oder Kostenstrukturen, sondern folgt Pfaden, die grob aus Diagnose und Behandlung bestehen. Dieser medizinischen Sichtweise soll durch das Projekt Verwaltungswissen untergeschoben werden, indem Dependenzen einem als “neutrale Leistung” definierten Begriff, gewichtet zugeordnet werden. Aber wie ich an anderer Stelle schon anmerkte: lassen Sie uns nach Einfachheit und Klarheit streben – kompliziert wird es von ganz alleine.


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